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Der Kartusianische WegDas Ziel: Die Beschauung
Das ausschließliche Ziel des kartusianischen Weges ist die
BESCHAUUNG: aus der Kraft des Heiligen Geistes so ununterbrochen
wie möglich in dem in Christus erschienenen Licht der Liebe Gottes zu
uns zu leben. Die Früchte der Beschauung sind: die Freiheit, der Friede, die Freude. O Bonitas! O Güte!, das war der Ausruf des Jubels, der aus dem Herzen Brunos quillte. Allerdings setzt die Einigung des Herzens und der Eintritt in die beschauliche Ruhe einen langen Weg voraus, den unsere Statuten so beschreiben: Das ganze monastische Leben besteht in diesem Vordringen zum Herzen, und alle Werte unseres Lebens sind auf dieses Ziel hin ausgerichtet. Sie helfen dem Mönch, sein Leben in der Liebe zu einigen, und führen ihn in die Tiefen seines Herzens. Es muß gesagt sein: Nicht das Ziel ist es, das uns von anderen kontemplativen Mönchen (Zisterziensern, Benediktinern &) unterscheidet, sondern der dazu benutzte Weg, dessen wesentliche Merkmale folgende sind:
Die EinsamkeitGewisse monastische Werte haben wir gemeinsam mit den anderen kontemplativen Mönchen, zum Beispiel: die Askese (Nachtwachen und Fasten), das Stillschweigen, die Arbeit, die Armut, die Jungfräulichkeit, den Gehorsam, Das Hören auf das Wort Gottes, das Gebet, die Demut. Andere Werte sind uns eigen:Das erste wesentliche Merkmal unseres Lebens besteht in der Berufung zur Einsamkeit, zu der wir eigens berufen sind. Der Kartäusermönch sucht Gott in der Einsamkeit. Die Einsamkeit erstreckt sich auf drei Bereiche: 1. die Trennung von der Welt
2. das Ausharren in der Zelle
3. die innere Einsamkeit oder die
Einsamkeit des Herzens
1. Die Trennung von der Welt ist durch die Klausur gegeben. Wir verlassen das Kloster nur zum Spaziergang (wöchentlicher Spaziergang). Wir erhalten keine Besuche und üben kein Apostolat nach außen hin aus. Wir haben weder Radio noch Fernseher im Kloster. Der Prior informiert sich über das Geschehen in der Welt und vermittelt den Mönchen das, was sie wissen sollten. Damit sind die notwendigen Bedingungen gegeben, um das innere Schweigen zu fördern, das der Seele ein aufmerksames Verweilen in der Gegenwart Gottes ermöglicht. 2. Die Zelle ist eine Klause, die so eingerichtet ist, dass der Kartäuser darin eine möglichst vollständige Einsamkeit leben kann, wobei ihm das Lebensnotwendige zugesichert ist. Jede Zelle besteht aus einem einstöckigen, von einem Garten umgebenen Häuschen, worin der Mönch den größten Teil des Tages während seines ganzen Lebens allein bleibt.
Wegen dieser Einsamkeit wird jedes
unserer Häuser Wüste oder Einsiedelei genannt.
3. Die Klausur und das Verweilen in der Zelle sichern uns lediglich eine Einsamkeit nach außen hin zu. Das ist nur der erste Schritt, der das innere Schweigen oder die Herzensreinheit zu begünstigen sucht: seinen Geist von allem fern zu halten, was nicht Gott ist oder nicht zu Gott führt. Auf diesem Gebiet trifft der Kartäuser auf seine launenhafte Einbildungskraft und auf seine wechselhaften Gefühlsbewegungen. Solange der Mönch noch mit seinem "Ich", mit seinen Empfindlichkeiten, seinen nutzlosen Gedanken, seinen eingebildeten Wunschvorstellungen beschäftigt ist, ist er noch nicht auf Gott hin zentriert. Hierbei macht er die Erfahrung mit seiner Hinfälligkeit, aber auch mit der Macht des Geistes und lernt nach und nach « ...das stille Lauschen des Herzens, das Gott durch alle seine Türen und auf allen seinen Pfaden eintreten läßt.» (Statuten 4.2 ) Empfangen wir Gäste ? Einsames und gemeinschaftliches LebenEine Gemeinschaft von EinsiedlernDie Originalität der Kartause kommt in zweiter Linie vom Anteil an Gemeinschaftsleben her, der unzertrennlich mit dem Einsiedlerleben verbunden ist. Es war der geniale Merkmal des heiligen Bruno, vom Heiligen Geist inspiriert, dass er es von Anfang an verstand, das Einsiedlerleben und das Gemeinschaftsleben im richtigen Verhältnis zu verbinden, um dadurch aus der Kartause eine Gemeinschaft von Einsiedlern für Gott zu bilden. Die Einsamkeit und das brüderliche Leben ergänzen sich gegenseitig. Das Gemeinschaftsleben findet in der täglich die in der Kirche gesungene Liturgie und in den wöchentlichen Zusammenkünften der Kommunität ihren Ausdruck: am Sonntag beim im Stillschweigen eingenommenen Mittagessen im Refektorium und am Nachmittag bei der wöchentlichen Rekreation. Außerdem ermöglicht uns am ersten freien Tag in der Woche ein langer Spaziergang (spatiamentum) von ungefähr vier Stunden, während dem wir sprechen können, uns besser kennenzulernen. Diese Rekreationen und Spaziergänge haben zum Ziel, die gegenseitige Zuneigung zu festigen und die Vereinigung der Herzen zu fördern, wobei für eine gute physische Entspannung mitgesorgt ist. Patres und BrüderEine Kartäusergemeinschaft besteht aus Zellenmönchen, d.h. aus Priestern oder solchen, die es werden sollen (Patres), und den Konversmönchen und Donaten (Brüder). Die Zellenmönche leben in einer strengeren Einsamkeit. Sie verlassen ihre Zelle nicht, außer in den von der Regel vorgesehenen Fällen (gewöhnlich dreimal am Tag für die Liturgie; etwas öfter am Sonntag). Sie beschäftigen sich hier mit Gebet, Schriftlesung und Handarbeit (Holzsägen für die Winterheizung, Gartenarbeit, Schreibarbeit, Kunstwerke...). Die Brüder versorgen durch ihre Arbeit außerhalb der Zelle die verschiedenen Dienstleistungen für die Gemeinschaft (Küche, Tischlerei, Wäscherei, Waldarbeit &). Es handelt sich um ein einziges, auf zwei verschiedene Weisen gelebtes Ideal. Auch die Brüder arbeiten möglichst allein und im Schweigen. Sie haben etwas weniger Zellenleben als die Patres. Deshalb bewohnen sie kleinere Zellen. Die beiden Lebensarten ergänzen sich einander, um so die eine Kartause zu bilden und den verschiedenen Anlagen jener zu entsprechen, die dem Kartäuserleben beitreten möchten. Bei der Lebensform der Brüder gibt es noch zwei Möglichkeiten, jene der
Konversen
genannten Religiosen (Mönche, die genau die gleichen Gelübde ablegen wie
die Patres) und jene der Donaten. Die KartäuserliturgieDie Eigenheiten der Kartäuserliturgie Seit der Ankunft in der Chartreuse haben der heilige Bruno und seine
Gefährten eine eigengeprägte Liturgie
festgelegt, die ihrer eremitischen Lebensweise und ihrer kleineren
Kommunität angepasst war. Im Laufe der Jahrhunderte haben unsere Väter
darüber gewacht, diese unserem Einsiedlerleben und der Kontemplation
angepasste eigene Liturgie zu bewahren.
Die tägliche Feier der LiturgieDie Feier des eucharistischen Opfers ist Mittelpunkt und Gipfel des gemeinschaftlichen Lebens:jeden Tag versammeln sich die Mönche, um das Ostergeheimnis des Herrn zu feiern. Diese Eucharistie konzelebrieren wir nur an Tagen, an denen der Gemeinschaftscharakter des Kartäuserlebens größere Bedeutung hat: an Sonntagen und großen Feiertagen. An den übrigen Tagen wird die Messe nur von einem Zelebranten gesungen, und das eucharistische Hochgebet betet er still. Die Kommunität beteiligt sich an dieser eucharistischen Liturgie durch den gregorianischen Gesang, das innerliche Gebet und den Kommunionempfang. Jeder Priestermönch kann zu einer anderen Zeit die heilige Messe in einer Kapelle feiern, eingedenk der universalen Bedeutung des eucharistischen Opfers. Eine andere wichtige Zeit des liturgischen Tages ist das in der Kirche um Mitternacht gefeierte Offizium (Matutin und Laudes): es dauert je nach den Tagen zwei bis drei Stunden und besteht aus Psalmengesang, Lesungen aus der heiligen Schrift oder den Kirchenvätern, aus Zeiten der Stille und Fürbittgebeten. Die Kartäuser lieben ganz besonders dieses lange Nachtoffizium, wobei ein jeder im Verein mit allen seinen Brüdern, aber dennoch in einer persönlichen Weise eine starke und tiefe Vereinigung mit Gott erleben kann. Der gesungene Teil der Liturgie (Antiphonen, Responsorien, Hymnen, Eigenteile der Messe, Kyriale) ist entsprechend den bei den Kartäusern eigenen gregorianischen Melodien immer lateinisch. In einigen Kartausen wird die Psalmodie in der Muttersprache gesungen, sonst in Latein. Die Lesungen sind grundsätzlich in der Muttersprache. In der Zelle kann man das Offizium lateinisch oder in der Muttersprache beten. Gegen Ende des Tages versammeln sich die Mönche noch einmal in der Kirche, um die Vesper zu singen. Die übrigen Teile des Offiziums werden von jedem Mönch in seiner Zelle gebetet, außer an Sonn- und bestimmten Feiertagen, dann werden sie in der Kirche gesungen. Außer dem kanonischen Stundengebet beten die Kartäuser jeden Tag in der Zelle das Offizium zu Ehren der Gottesmutter und einmal in der Woche Totenoffizium: sie bitten dabei Gott, alle Verstorbenen in sein ewiges Reich aufzunehmen. Dank der Liturgie ist die Kartause nicht eine Gruppierung von unter sich abgeschlossenen Einsiedlern, sonder eine echte monastische Gemeinschaft, die auf diese Weise das Geheimnis der Kirche offenbart und in ihr ihren Platz findet durch den öffentlichen Kult, den sie Gott darbringt. Im Herzen der Kirche und der WeltELTu coeur de l'Eglise et du monde
Der LobpreisDer Kartäuser hat die Einsamkeit nicht für sich selbst gewählt, vielmehr sah er in ihr ein hervorragendes Mittel dafür, zu einer größeren Vereinigung mit Gott und allen Menschen zu gelangen. Indem der Kartäusereinsiedler in die Tiefe seines Herzens eindringt, wird er in Christus jedem Menschen gegenwärtig. Er ist Einsiedler geworden, weil er solidarisch sein will. Die Beschaulichen sind im Herzen der Kirche beheimatet. Sie erfüllen eine wesentliche Funktion der kirchlichen Gemeinschaft: die Verherrlichung Gottes. Der Kartäuser zieht sich vor allem deswegen in die Wüste zurück, um Gott anzubeten, ihn zu loben, ihn zu betrachten, sich von ihm verführen zu lassen, sich ihm zu schenken, im Namen aller Menschen. Er ist im Namen aller von der Kirche beauftragt, ein fortwährendes Gebet zu sein. Die FürbitteSeit je anerkannte die Kirche, dass die der Beschaulichkeit allein geweihten Mönche eine fürbittende Rolle erfüllen. In Vertretung der ganzen Schöpfung beten sie bei allen liturgischen Offizien und bei der Feier der Eucharistie für alle Lebenden und alle Verstorbenen. ZeugnisFür den Einsiedler verwirklicht sich eine solche Zeugenschaft weder durch sein Wort noch durch einen persönlichen Kontakt. Allein durch sein Dasein bezeugt der Mönch, dass Gott existiert und dass Er das Herz des Menschen ausfüllen kann. Die BußeDie Übung der Askese vereinigt den Kartäuser mit dem Heilswerk Christi
an der Welt:
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